Oswald von Wolkenstein

Das Leben von Oswald von Wolkenstein ist dank seiner autobiografischen Werke gut dokumentiert.

Oswald von Wolkenstein - Sänger, Dichter, Komponist und Politiker - war außerdem Diplomat in Diensten des deutschen Kaisers Sigismund I. Geboren wurde Oswald von Wolkenstein vermutlich um 1376 oder 1377 auf der Trostburg bei Waidbruck als zweiter von drei Söhnen. Weiters gab es vier Schwestern. Seine Eltern waren Friedrich von Wolkenstein und Katharina von Villanders.

Um 1387, im Alter von nur 10 Jahren, verließ Oswald von Wolkenstein sein Elternhaus und begann ein abenteuerliches Wanderleben durch weite Teile Europas, vermutlich bis in den Vorderen Orient. In dieser Zeit schrieb er bereits Lieder über Preußen, Ungarn, Spanien, Persien und andere Länder. Als sein Vater 1399 starb, kehrte er nach Südtirol zurück, wo ein langwieriger Erbschaftsstreit mit seinen Brüdern folgte. Erst im Jahr 1407 wurde das Erbe aufgeteilt, Oswald von Wolkenstein erhielt ein Drittel der Burg Hauenstein in Seis am Schlern. Die weiteren zwei Drittel wurden dem Ritter Martin Jäger zugesprochen.

1415 nahm er am Konzil von Konstanz im Gefolge von Herzog Friedrich IV von Tirol teil und wurde danach im Dienst von König Sigismund aufgenommen. Seine Aufgabe war es, als Mittelsmann zwischen dem König und den Tiroler Adeligen, die sich gegen den Ausbau der landesfürstlichen Gewalt durch Herzog Friedrich IV wandten, zu fungieren.

Oswald von Wolkenstein riss die gesamten Einnahmen von Burg Hauenstein, die ihm nur zu einem Drittel gehörte, an sich. 1421 kam er dadurch als Gefangener nach Schloss Forst bei Meran und wurde dort gefoltert. Nach Jahren der Flucht und Gefangenschaft blieb Hauenstein zwar letztlich im Besitz von Oswald von Wolkenstein, jedoch musste er dem Ritter Jäger eine Abfindung bezahlen und Urfehde schwören.

Zwischen 1423/25 ließ Oswald von Wolkenstein eine erste Handschrift auf Pergament mit mehr als 100 seiner Lieder fertigen, heute als “Handschrift A” bekannt. 1431 wurde er Mitglied im Drachenorden und fertigte seine zweite Handschrift, die “Handschrift B”, ebenfalls auf Pergament, an. Von nun an konnte Oswald von Wolkenstein ein standesgerechtes adeliges Landleben führen. Zusammen mit seiner Frau zog er sieben Kinder groß. 1445 starb Oswald von Wolkenstein in Meran als hoch angesehener Ritter und einer der wichtigsten Adeligen von Südtirol.

Kurios: Auf sämtlichen Porträts ist Oswald von Wolkenstein mit verschlossenem rechten Auge zu sehen. Man ist sich (noch) nicht sicher, ob sein Auge bereits von Geburt an geschädigt war oder ob er durch einen Bogenschuss beim Spielen als Kind verletzt wurde.

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